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Mehr als zwei Drittel der Schweizer Pensionskassen brauchen mindestens ein halbes Jahr, um eine neue Anlageklasse in ihre Portfolios aufzunehmen. Ein Drittel der Kassen benötigt sogar ein Jahr oder mehr. Während fast 80 Prozent der Pensionskassen über einen separaten Anlageausschuss verfügen, haben nur 58 Prozent der Mitglieder in diesen Ausschüssen einen Investment-Hintergrund. Die Ausschüsse treffen sich im Durchschnitt weniger als fünf Mal pro Jahr. Dies sind einige Ergebnisse der neuen Studie Investmentdelegation 2021, die Anlagepraktiken, Herausforderungen und Chancen Schweizer Pensionskassen analysiert. Teilgenommen haben 46 Kassen, die insgesamt 154 Milliarden CHF an verwalteten Vermögen repräsentieren. Die Studie führte Mercer mit Unterstützung der Universität Zürich durch.

 

Die Umfrage zeigt, dass Schweizer Pensionskassen Möglichkeiten haben, ihre Anlageprogramme weiter zu professionalisieren. Viele der grundlegenden Strukturen sind zwar vorhanden, aber nicht auf dem Niveau, das für die Bewältigung eines volatilen Marktumfelds erforderlich ist: Nachdem die Anlagestrategie und die strategische Anlageallokation definiert sind, müssen Pensionskassen und Anlageausschüsse sicherstellen, dass ihre Strategien, Taktiken und Ansätze relevant bleiben und schnell und effizient an veränderte Märkte und Risiko-/Renditeanforderungen angepasst werden können. Die Delegation von Teilen des Anlageprozesses könnte hier dazu beitragen, eine stärkere Governance zu gewährleisten.

 

Die Umfrage wirft ein Licht auf die Ressourcenbeschränkungen, mit denen viele Pensionskassen regelmässig konfrontiert sind. Auf die Frage, womit sie den grössten Teil ihrer Zeit verbringen, nannten die befragten Kassen versicherungsmathematische Fragen als Hauptkategorie. Ein weiteres Symptom dieser Zeit- und Ressourcenknappheit könnte die Tatsache sein, dass 44 Prozent der befragten Pensionskassen keinen geplanten Zeitplan für das Rebalancing ihrer Portfolios etabliert haben, während 7 Prozent nur einmal im Jahr eine Neugewichtung vornehmen. 40 Prozent verfolgen einen opportunistischen Ansatz.

 

Wir sehen ein klares Argument für eine stärkere Investmentdelegation in der Schweiz. Einerseits kann sie dazu beitragen, den Druck auf die Pensionskassen zu verringern und Zeit für strategischere Themen freizugeben. Andererseits kann die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Anbieter eine Reihe von neuen Möglichkeiten eröffnen, insbesondere in Anlageklassen, die normalerweise schwer zugänglich sind, wie z. B. die Privatmärkte. Zusätzlich zum Zugang können Anleger oft von niedrigeren Gebühren und einer gezielten, effizienten Umsetzung profitieren.

 

Obwohl es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt, zeigt die Umfrage auch, dass Schweizer Pensionskassen einer Delegation nicht grundsätzlich abgeneigt sind. 91 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie mindestens ein Element ihres Prozesses ganz oder teilweise delegieren. Am häufigsten handelt es sich dabei um das Performance-Reporting (76 Prozent) sowie um andere operative Aufgaben wie das Rebalancing und die Überwachung der Manager (jeweils 48 Prozent). Was die Strategie und Umsetzung betrifft, so werden die Portfoliokonstruktion innerhalb der Anlageklassen, die Portfolioumschichtung (beide 48 Prozent) und die Festlegung der Anlageziele (46 Prozent) in gewissem Umfang delegiert.  

 

Es ist vielversprechend zu sehen, dass Schweizer Pensionskassen der Delegation gegenüber offen sind. Schaut man aber auf die Herausforderungen, die in unserer Studie hervorgehoben werden, sowohl in Bezug auf die Anlageeffizienz als auch auf die Ressourcen, so scheint es, dass viele Kassen die Vorteile einer Delegation nicht voll ausschöpfen und diese vielleicht eher als taktische Massnahme für sehr spezifische Aufgaben oder mit einem sehr begrenzten Umfang betrachten.

 

Die vollständigen Umfrageergebnisse können Sie hier einsehen.


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