Mercer | Goldrausch bei 1e-Pensionskassenplänen?

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Our Thinking / Pensionskassengelder

Goldrausch bei 1e-Pensionskassenplänen?
Goldrausch bei 1e-Pensionskassenplänen?
Calendar24 August 2017

Autor: Reto Ebnoether

In den letzten Monaten sind neue 1e-Lösungen wie Pilze aus dem Boden des Schweizer Vorsorgemarktes geschossen. Was verbirgt sich hinter diesen Lösungen? Warum gibt es immer mehr Anbieter auf dem Markt? Und was sollten Unternehmen bei der Auswahl unbedingt beachten?

Bereits seit dem 1. Januar 2006 (1. BVG Revision) erlaubt der Gesetzgeber, in einer Schweizer Pensionskassenlösung verschiedene Anlagestrategien anzubieten. Dabei können die Versicherten selbst die Strategie für die Anlage ihrer Pensionskassengelder auswählen, die ihrem persönlichen Risikoprofil am meisten entspricht. Die erzielte Rendite fliesst vollumfänglich ins eigene Altersguthaben. Gleiches gilt jedoch grundsätzlich auch bei einem Verlust an den Anlagemärkten. Die Bezeichnung „1e-Lösung“ oder „1e-Vorsorgeplan“ kommt übrigens daher, dass die Eckwerte einer solchen Vorsorgelösung im Artikel 1e der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) geregelt sind.  

Obwohl sie seit über 10 Jahren angeboten werden, sind 1e-Lösungen bisher nicht über ein Nischen-Dasein hinausgekommen. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen sind solche Lösungen nur für Einkommen über CHF 126‘900 erlaubt, was den Kreis möglicher Interessierter per se einschränkt. Darüber hinaus zeigt sich in der Beratungspraxis immer wieder, dass sich viele Schweizer beim Gedanken daran, selbst über die Anlagestrategie in der Pensionskasse entscheiden zu müssen, nicht besonders wohl fühlen. Die Ansicht, dass Schweizer Pensionskassengelder konservativ und risikoarm angelegt werden sollten, ist weit verbreitet. Folglich war die Auswahl möglicher Anbieter bis vor Kurzem gering.

Tiefzinsphase und Gesetzesänderung als Markttreiber

Nun aber dreht sich offenbar der Wind. Zahlreiche neue Anbieter treten in den 1e-Markt ein und auch etablierte Versicherungsunternehmen bieten neuerdings 1e-Lösungen an. Woher kommt diese Entwicklung? Zum einen verzeichnen klassische Vorsorgelösungen aufgrund der anhaltenden Tiefzinsphasen sehr bescheidene Anlageergebnisse. Dies gilt vor allem für die stark risikoarm investierte Vollversicherungslösung, bei der das Anlagerisiko komplett vom Anbieter – dem Lebensversicherer – getragen wird. Unternehmen und Versicherte fragen aber mittlerweile zunehmend nach höheren Verzinsungen, zumal die Aktienmärkte durchaus bessere Anlageergebnisse zulassen würden. Zudem hat der Gesetzgeber entschieden, dass die Kapitalgarantie nach Artikel 17 des Freizügigkeitsgesetzes, die jedem Mitarbeitenden bei Austritt aus der Pensionskasse einen bestimmten Mindestbetrag gewährte und die im Endeffekt vom Arbeitgeber getragen wurde, in Kürze nicht mehr für 1e-Pläne gilt.

Tiefere Pensionsverpflichtungen nach US GAAP und IFRS

Für Unternehmen, welche nach den gängigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen US GAAP oder IFRS bilanzieren, bedeutet der Wegfall der Kapitalgarantie, dass sie ihre Pensionsverpflichtungen in den Bilanzen massgeblich reduzieren können. Denn während in der IFRS-Betrachtungsweise ein Schweizer Pensionskassenplan u. a. aufgrund der gesetzlichen Garantien als Defined Benefit-Plan (Leistungsprimat) gilt, was entsprechende Verpflichtungen und Kosten in Bilanz und Erfolgsrechnung zur Folge hat, kann ein 1e-Plan als Defined Contribution-Plan (Beitragsplan) ausgestaltet werden. Der Arbeitgeber hat somit einen direkten Anreiz, einen 1e-Plan zu realisieren, da er seine Bilanz dadurch zumindest um die Verpflichtungen für die Einkommen über CHF 126‘900 reduziert.

Fähigkeiten wie im Private Banking

Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber haben somit über kurz oder lang ein gesteigertes Interesse daran, in den bestehenden Pensionskassenplan eine 1e-Lösung einzubauen. Die steigende Nachfrage wiederum ruft nicht zuletzt auch deshalb neue Anbieter auf den Plan, weil für einen guten 1e-Anbieter andere Kriterien entscheidend sind als für einen Anbieter klassischer Vorsorgelösungen. Da bei einer 1e-Lösung bekanntlich jeder Mitarbeitende aus den angebotenen Varianten eine eigene Anlagestrategie auswählen kann, sind hier eher die Fähigkeiten des Private Bankings als die der herkömmlichen Kollektivverwaltung gefragt. Die langjährige Markterfahrung der grossen Lebensversicherer hat in diesem Fall eher wenig Gewicht. Um einen hohen Kundennutzen zu erzielen, sind Dienstleistungen wie Online-Zugriff auf das eigene Anlageportfolio, individuelle Anlageberatung, Diversifikation bei den angebotenen Anlagegefässen, Anschlusslösungen nach Pensionierung usw. gefragt. Die Unterschiede zwischen den Anbietern bezüglich der Ausgestaltung des Angebotes sind folglich enorm.  

Sorgfältige Evaluation bei der Wahl des 1e-Anbieters

Während einige Anbieter bei der Wahl der Anlagestrategie auf persönliche Gespräche mit jedem Versicherten setzen, bauen andere auf vereinfachte, automatisierte Prozesse mittels Online-Fragebogen. Entsprechend ist die Auswahl der Anlagegefässe und -strategien je nach Anbieter unterschiedlich – bei dem einem sehr breit, vielseitig und komplex, beim anderen eingeschränkt, aber dafür übersichtlich. Auch die Möglichkeiten im Bereich der risikoarmen Strategien reichen von unattraktiven Sparkontolösungen bis zu Garantieanlagen im Rahmen klassischer Vorsorgelösungen. Viele der Angebote sind noch in der Entwicklung oder weisen Optimierungspotential auf. Hier haben Vorsorgeträger, die seit 10 Jahren in der 1e-Nische unterwegs sind, sicherlich (noch) einen Vorteil.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Kosten. Neben Risikoprämien und Verwaltungskosten gilt ein Hauptaugenmerk den Anlagegebühren. Obwohl die Vermögensanlagen das Kernelement einer 1e-Lösung bilden, sind die Risikoelemente (Deckungen für Invalidität und Tod) nicht zu vernachlässigen. Schliesslich handelt es sich immer noch um eine ganzheitliche Vorsorgelösung. Dennoch ist auch klar, dass die Auswahl des 1e-Anbieters eine langjährige Kooperation zum Ziel haben muss. Im Gegensatz zu einer klassischen Lösung kann man den Anbieter bei einer 1e-Lösung aufgrund der komplexen Verflechtungen bei den Anlagen nur mit deutlich höherem Aufwand wechseln. Unternehmen sollten bei der Auswahl des Anbieters dementsprechend vorsichtig sein. Es empfiehlt sich, die verschiedenen Servicepakete vorab einer genauen Analyse und Evaluation zu unterziehen, um den für das eigene Unternehmen optimalen Partner zu finden.

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