Mercer | Die betriebseigene Pensionskasse – ein Auslaufmodell?

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Die betriebseigene Pensionskasse – ein Auslaufmodell?
Die betriebseigene Pensionskasse – ein Auslaufmodell?
Calendar25 Juni 2018

Von Mercer-Experte Roland Guggenheim

 „Das schleckt keine Geiss‘ weg.“ So oder so ähnlich könnte man kommentieren, dass sich die Zahl der betriebseigenen Pensionskassen seit Jahren im Sinkflug befindet. Wie die folgende Abbildung veranschaulicht, nimmt die Anzahl Vorsorgeeinrichtungen kontinuierlich ab:


Abbildung 1: Anzahl der Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz (Quelle: Bundesamt für Statistik) 

Die Versichertenzahl hingegen ist in diesem Zeitraum von 3,6 auf 4,1 Millionen gestiegen. Diese steigende Zahl wird zunehmend von Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen abgedeckt, eine Konzentration ist in vollem Gange.

Hohe Verwaltungskosten als Bremse?

Ins Feld geführt werden vor allem die Verwaltungskosten, die für betriebseigene Pensionskassen als prohibitiv hoch eingeschätzt werden. Gemäss der Schweizer Pensionskassenstudie 2017 von Swisscanto liegen die Gesamtkosten für Administration und Vermögensverwaltung bei Kassen mit weniger als 250 Destinatären spürbar höher als bei grösseren Kassen. Ab 250 Versicherten schrumpfen jedoch die Kostenunterschiede und effiziente, kleinere Kassen sind nicht teurer als ineffiziente Grosseinrichtungen.  


Abbildung 2: Median Gesamtkosten pro Destinatär in CHF (Quelle: Schweizer Pensionskassenstudie 2017 der Swisscanto)
 

Bei den Kapitalanlagen liegen die firmeneigenen Vorsorgeeinrichtungen und die Sammeleinrichtungen nahezu gleichauf, wobei hier je nach Betrachtungszeitraum die firmeneigenen Vorsorgeeinrichtungen oder die Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen vorne liegen. 

 

Abbildung 3: Nettorendite auf Anlagen und Verzinsung Altersguthaben (Quelle: Bericht Finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2016 der OAK BVG)
 
 

Gleiche Kosten dank risikogerechter Tarifierung

Bei den Kosten für die Deckung der Risiken Tod und Invalidität gehen wir davon aus, dass firmeneigene Vorsorgeeinrichtungen und Sammeleinrichtungen risikogerecht tarifieren und damit die gleichen Kosten aufweisen. Einzig bei Einbezug gewinnorientierter Versicherungsunternehmen können sich die Kosten um bis zu 10 Prozent – die „legal quote“, die Versicherer einbehalten dürfen – verteuern.

Dem Langleberisiko, den Kosten der steigenden Lebenserwartung, sind alle Anbieter von Pensionskassenlösungen grundsätzlich gleichermassen unterworfen. Das Spielfeld ist deshalb für alle das gleiche.

Basierend auf den harten Fakten kann somit festgestellt werden, dass abgesehen von Pensionskassen mit weniger als 250 Versicherten, firmeneigene Vorsorgeeinrichtungen und Sammeleinrichtungen gleich gute Resultate aufweisen. Aus unserer Erfahrung können wir jedoch auch feststellen, dass effiziente und agile Vorsorgeeinrichtungen mit weniger als 250 Versicherten sehr wohl gute Ergebnisse erzielen.

Entscheidungsfaktoren: firmeneigene Pensionskasse oder Sammeleinrichtung

Für den Entscheid eines Unternehmens, eine firmeneigene Pensionskasse zu führen oder sich einer Sammeleinrichtung anzuschliessen, müssen somit auch „weiche“ Kriterien in die Überlegungen einbezogen werden.

Firmeneigene Pensionskassen sind flexibler und somit besser in der Lage, auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren. Ein Beispiel stellt die Flexibilisierung von Renten dar, beispielsweise abhängig vom Anlageertrag oder dem Deckungsgrad der Kasse. Da Sammeleinrichtungen grösstenteils über standardisierte Regelwerke verfügen, ist es für sie schwierig, neuartige Vorsorgeformen anzubieten.

Auch bei der Behandlung von Einzelfällen verfügen firmeneigene Kassen über eine grössere Nähe zu den Destinatären und über mehr Möglichkeiten für massgeschneiderte Lösungen.

Firmeneigene Pensionskassen sind im Rahmen des Gesetzes bei der Kapitalanlage frei. Sie werden vom Bankanbieter zusammen mit den Firmen als Verbund wahrgenommen und können daher oft für Firma und Pensionskasse bessere Konditionen erreichen.

Auch bei einer firmeneigenen Pensionskasse kann der Grossteil der Tätigkeiten an Spezialisten ausgelagert werden, sei es für die Administration, Kapitalanlage oder die Geschäftsführung. Wichtig ist jedoch, dass ein Stiftungsrat als oberstes Organ verfügbar ist, der über Gestaltungswillen und ein gewisses Mass an Fachwissen verfügt, um eine Pensionskasse zu lenken.

Mercer unterstützt firmeneigene Pensionskassen seit Jahrzehnten und ist überzeugt, dass diese sich auch in einem anspruchsvollen Umfeld erfolgreich entwickeln.

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