Mercer | Vorsorgeausgleich bei Scheidung

Revision des Scheidungsrechts

Vorsorgeausgleich bei Scheidung: 3 Fragen, 3 Antworten

HIER GEHT ES ZUR ENGLISCHEN VERSION.

Ab dem 1. Januar 2017 treten die Revision des Scheidungsrechts und damit auch die neuen Regeln zur Aufteilung der Vorsorgeguthaben im Falle einer Scheidung in Kraft. Welche Änderungen ergeben sich aus der Revision? Im Interview beantwortet André Tapernoux, Leiter des Geschäftsbereichs Retirement bei Mercer in der Schweiz, die wichtigsten Fragen und erklärt, was Vorsorgeeinrichtungen jetzt beachten müssen.

Was sind die wichtigsten Änderungen beim Vorsorgeausgleich bei einer Scheidung?


Einer der wichtigsten Punkte der Revision ist, dass die während der Ehe erworbenen Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge auch dann geteilt werden müssen, wenn ein Ehegatte zu diesem Zeitpunkt bereits pensioniert oder invalid ist. Daraus ergibt sich, dass in Zukunft gegebenenfalls bereits laufende Alters- und Invalidenrenten gekürzt werden.  

Neu ist auch, dass der Zeitpunkt der Einleitung des Scheidungsverfahrens für die Teilung der Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge massgebend ist. Vor diesem Hintergrund ist künftig voraussichtlich nur noch eine Berechnung für den Scheidungsausgleich notwendig.

Weiter müssen Vorsorgeeinrichtungen nun jährlich alle Personen, für die sie im Dezember des Vorjahres ein Guthaben geführt haben, der Zentralstelle der 2. Säule melden.

Was müssen die Vorsorgeeinrichtungen jetzt beachten?


Handlungsbedarf ergibt sich einerseits für den Stiftungsrat in Form von Reglementsanpassungen. Andererseits muss insbesondere die Technische Verwaltung ihre Abläufe und Dokumente prüfen und ergänzen.

Der Stiftungsrat muss das Vorsorgereglement überarbeiten. Dabei muss er die neue Scheidungsrente aufnehmen und beispielsweise entscheiden, ob anstelle der Übertragung einer lebenslänglichen Scheidungsrente eine einmalige Überweisung in Kapitalform im Vorsorgereglement vorgesehen werden soll.  Des Weiteren muss er prüfen, ob eine Kürzung der Invalidenrente eines ausgleichsverpflichteten Invalidenrentners nach dem Vorsorgereglement möglich ist und er muss die Grundlagen der Kürzung festgelegen. Auch muss der Stiftungsrat entscheiden, ob er in Fällen, in denen ein Versicherter während des Scheidungsverfahrens Anspruch auf eine Altersrente erhält, die vom Gericht an den ausgleichsberechtigten Ehegatten zugesprochene Austrittsleistung bzw. die Altersrente des ausgleichsverpflichteten Altersrentners kürzt. Zudem sind einzelne Artikel des Reglements, z. B. betreffend Hinterlassenenleistungen für Geschiedene anzupassen und es sollte eine Übergangsbestimmung implementiert werden.

Für die Technische Verwaltung folgt aus Revision des Scheidungsrechts unter anderem, dass die Meldepflicht an die Zentralstelle 2. Säule in ihren Jahresablauf eingebaut werden muss. Neu hinzugekommen ist die Pflicht fürdie übernehmende Vorsorgeeinrichtung von der alten Vorsorgeeinrichtung nicht mitgeteilte Informationen betreffend Austrittsleistungen einzufordern. Zusätzlich muss festgehalten und weitergeleitet werden, wie sich das BVG-Guthaben und das übrige Guthaben konkret zusammensetzt, wie sich die im Scheidungsverfahren zugesprochene Austrittsleistung oder Rente auf die Guthaben verteilt und wie hoch die erworbene Austrittsleistung im Alter 50 und bei Eheschliessung ist.

Wie ordnen Sie die Revision des Scheidungsrechts ein?


Die Revision des Scheidungsrechts beziehungsweise die Bestimmungen über den Ausgleich der beruflichen Vorsorge bei Scheidung führen zu einer faireren Teilung der erworbenen Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge. Durch die jährliche Meldung der Vorsorgeeinrichtungen an die Zentralstelle der 2. Säule für welche Personen ein Guthaben geführt wurde, wird ebenfalls ein fairer Vorsorgeausgleich verfolgt. Es soll das gesamte Vermögen in der beruflichen Vorsorge ausgeglichen werden. Die Einführung einer lebenslangen Scheidungsrente für ausgleichsberechtigte Ehegatten von bereits Altersrente beziehenden Ehegatten ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichbehandlung und Fairness.

Jedoch führen die neuen Bestimmungen dieser Revision abermals zu einer Steigerung des Verwaltungsaufwands der Vorsorgeeinrichtungen. Der Aufwand fällt bei allen Versicherten an, egal ob sie sich scheiden lassen oder nicht. Ob und wie die Kosten überwälzt werden können ist offen.

 

Wie kann Mercer dabei helfen?

In unserem Flyer "Das Vorsorgereglement optimal anpassen mit Mercer" zeigen wir Ihnen, wo es Handlungsbedarf gibt und wie wir Sie unterstützen können.

  Kontaktieren Sie uns

Sie haben Fragen zum Thema oder wünschen ein weiterführendes Gespräch? Bitte füllen Sie das Kontaktformular aus. Wir melden uns zeitnah bei Ihnen.
*Erforderliche Angaben