Neue Studie zeigt: Nachhaltiges Investieren wird immer mehr zum Mainstream – nur nicht in der Schweiz

 

Zürich, 29. September 2021

 

  • Nur 14 Prozent der kleineren Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz haben ESG-Themen im Blick
  • Obligationen, Aktien und Immobilien dominieren die Schweizer Portfolios, während Alternatives in Europa und UK immer wichtiger werden

 

Institutionelle Anleger in Europa und UK richten ihr Augenmerk verstärkt auf ökologische und soziale Themen. Mittlerweile haben 76 Prozent ESG-Themen und damit verbundene Risiken im Blick. Während die Umwelt nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses der institutionellen Anleger steht, beginnen einige Investoren, ihren Schwerpunkt auf soziale Faktoren (27 Prozent) wie Humankapital und Arbeitsrechte auszuweiten. Dies sind einige der Ergebnisse der Mercer European Asset Allocation Insights 2021, der verschiedene Fragen zur Anlageallokation europäischer Pensionseinrichtungen beleuchtet. Die Studie bietet einen umfassenden Überblick über die Anlagestrategien in der britischen und europäischen Pensionsbranche und zeigt neue Trends im Verhalten von rund 850 institutionellen Anlegern in elf Ländern auf, die ein Gesamtvermögen von rund einer Billion Euro repräsentieren. Etwa die Hälfte der befragten Einrichtungen verwaltet unter 100 Mio. USD.

 

Nachhaltigkeit ist in der Schweiz noch kein Trend

Im europäischen Vergleich bildet die Schweiz eine deutliche Ausnahme: Laut Studie haben nur 14 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen schon ESG-Risiken berücksichtigt. Zudem konzentrieren sie sich dabei fast ausschliesslich auf Umweltfaktoren. Zu beachten ist hierbei, dass an der Mercer-Studie mehrheitlich kleinere Kassen teilgenommen haben (75 Prozent liegen unter 500 Mio. USD Vermögen), die bei strategischen Themen oft langsamer handeln.

 

«Die Studie macht deutlich, dass es vor allem bei kleineren Einrichtungen in Punkto nachhaltige Anlagen noch Verbesserungsbedarf gibt. Nicht nur aus moralischer, sozialer und politischer Sicht sollte ESG zum Thema werden: Es zeigt sich auch, dass nachhaltige und Impact-Investments auch gut für die Risikoabsicherung des Portfolios und letztlich die Rendite sein können», kommentiert Tobias Wolf, Head Advisory bei Mercer Schweiz. «Allerdings verfügen kleinere Kassen oft nur über unzureichende Ressourcen für derartige strategische Themen. Wichtig ist dann, externe Unterstützung einzuholen, z. B. für den Aufbau einer ganzheitlichen ESG-Strategie und die Begleitung deren Umsetzung bis hin zur Auswahl geeigneter Anlagen.»

 

«Bei sehr grossen Kassen und Stiftungen sehen wir hierzulande, dass diese oft eine Vorreiterrolle einnehmen – auch international – mit sehr fortschrittlichen Strategien und Umsetzungsansätzen», ergänzt Wolf. «Zuletzt wurde dies wieder in unserer Studie ‘Transformational Investments’ deutlich, auf deren Basis wir u. a. auch in Zusammenarbeit mit Schweizer Pensionskassen ein Transformation-Framework erstellt haben. Dieses kann anderen Investoren dabei helfen, ihre eigenen ESG-Bemühungen besser einzuschätzen und ggf. auf den richtigen Weg zu lenken.»

 

Die Zahl der europäischen Anleger, die eine kohlenstoffarme oder klimabezogene Indexierung verwenden, ist im Vergleich zum letzten Jahr stark gestiegen (26 Prozent gegenüber 6 Prozent). Die Studie zeigt, dass eine grosse Mehrheit der Anleger ESG in alle Aspekte ihrer Tätigkeit integriert, einschliesslich der Auswahl von Investmentmanagern (83 Prozent), der Überwachung von Investmentmanagern (88 Prozent), der Berichterstattung (79 Prozent) und der Vermögensallokation (64 Prozent). Die Umfrage zeigt auch, dass die Anleger von einer eher reaktiven zu einer proaktiven Haltung übergehen, wobei regulatorische Faktoren als Motivation für die Berücksichtigung von ESG-Risiken an Bedeutung verlieren (67 Prozent nannten dies als Hauptgrund, gegenüber 85 Prozent im Vorjahr).

 

«Während der Pandemiezeit, die für viele Anleger eine grosse Herausforderung darstellte, kam es in ganz Europa zu einem starken Anstieg der Investitionen in nachhaltige Investmentfonds», so Joanne Holden, Global Head of Investment Research bei Mercer. «Obwohl Umweltthemen nach wie vor im Mittelpunkt stehen, ist es ermutigend zu sehen, dass viele Anleger beginnen, die sozialen Auswirkungen ihrer Anlagen zu berücksichtigen. Die Anleger werden sich bewusst, wie die Elemente innerhalb des Komplexes ESG zusammenhängen, und wie Menschen und der Planet miteinander verbunden sind. Und da die Unternehmensverantwortung ganz oben auf der Tagesordnung der Vorstände steht, wollen immer mehr Unternehmen ihren Teil zur Unterstützung von Themen wie Menschenrechte, gerechte Bezahlung und soziale Gerechtigkeit beitragen.»

 

Allokationen in alternative Anlagen steigen

Ganz allgemein zeigt die Mercer-Studie, dass die Allokation in alternative Anlagen inzwischen fast gleich hoch ist wie die in Aktien und in einigen Fällen (Grossbritannien und Deutschland) sogar höher. Die Abkehr von Aktien setzt sich bei britischen und europäischen Anlegern fort (von 22 auf 21 Prozent durchschnittliche Allokation in den Gesamtportfolios), da sie versuchen, ihre Renditetreiber zu diversifizieren, sich gegen Marktvolatilität zu schützen und inflationsgeschützte Renditeströme zu erschliessen. Viele leistungsorientierte Anleger streben zunehmend eine Diversifizierung über alternative Anlageklassen an (von 18 auf 20 Prozent), wie z. B. festverzinsliche Wachstumsanlagen, Private Equity und Realwerte. In der Schweiz zeigt sich wiederum ein anderes Bild: Die typische Allokation in Alternatives beträgt lediglich 7 Prozent, wohingegen Obligationen, Aktien und Immobilien mit 33, 31 bzw. 23 Prozent nach wie vor die Portfolios dominieren.

 

«Wir sehen weiter enorm viel Potenzial für Schweizer Anleger, die vielfältigen Vorteile einer höheren Allokation in Alternatives auszunutzen: Bessere Diversifikation, optimierte Risiken und langfristig höhere Renditechancen, insbesondere bei Ausnutzung der Illiquiditätsprämien in den privaten Märkten», so Matthieu Mougeot, Investment Solutions Leader bei Mercer Schweiz. «Die Zusammenarbeit mit einem Experten und die Delegation von ressourcenintensiven Teilen des Anlageprozesses kann für Anlager hier den Unterschied machen. Nicht nur, wenn es darum geht, die richtigen Strategien aus einem weltweiten Pool zu identifizieren, sondern auch, um Zugang zu attraktiven Opportunitäten zu erhalten und die Strategie auf hohem Niveau umzusetzen.»

 

Mit Blick auf die Zukunft plant die Mehrheit der Anleger (53 Prozent), Lehren aus der Pandemie zu ziehen, indem sie ihre Anlagestrategie, die Mandate der Manager oder die Governance des Plans überarbeiten. Eine beträchtliche Minderheit (38 Prozent) beabsichtigt jedoch nicht, als unmittelbare Folge der Ereignisse des vergangenen Jahres Änderungen an der Governance ihres Plans vorzunehmen.

 

Über Mercer

Mercer setzt sich dafür ein, die Zukunft mutig und intelligent zu gestalten – durch die Transformation der Arbeitswelt, einer Verbesserung von Vorsorge- und Investmentlösungen sowie durch den Einsatz für Gesundheit und Wohlergehen. Mit mehr als 25.000 Mitarbeitenden in 43 Ländern ist Mercer in über 130 Ländern tätig. Mercer ist ein Tochterunternehmen von Marsh McLennan (NYSE: MMC), dem führenden globalen Anbieter von professionellen Dienstleistungen zu den Themen Risiko, Strategie und HR – mit einem Jahresumsatz von über 18 Mrd. USD und 78.000 Mitarbeitenden. Als Marktführer hilft Marsh & McLennan seinen Kunden, in einem immer dynamischeren und komplexeren Umfeld erfolgreich zu agieren. Zur Unternehmensgruppe gehören auch Marsh, Guy Carpenter und Oliver Wyman. Für weitere Informationen besuchen Sie uns auf http://www.mercer.ch oder folgen Sie uns auf Twitter und LinkedIn.

 

Mercer Schweiz AG (www.mercer.ch)

In der Schweiz ist Mercer mit rund 100 Mitarbeitenden an den Standorten Zürich und Nyon vertreten. Die Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit liegen in der Beratung von Unternehmen rund um die berufliche Vorsorge inkl. der Verwaltung von Versicherungsverträgen, Investments sowie Human-Capital-Strategien und Vergütung/Mobilität von Arbeitnehmenden.

Kontakt: