Mercer | MMGPI 2015

MMGPI 2015

Schweiz hat viertbestes Vorsorgesystem weltweit

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15.12.2015

Im Vergleich der Altersvorsorgesysteme in 25 ausgesuchten Ländern verbessert sich die Schweiz auf Platz vier. Damit liegt sie gleichauf mit Schweden und vor Finnland. Spitzenreiter bleibt Dänemark, gefolgt von Australien und den Niederlanden. Deutschland belegt Rang 12. Die Schlusslichter des Rankings sind Indien, Südkorea und Japan.

Zu diesem Ergebnis kommt der heute veröffentlichte Melbourne Mercer Global Pension Index 2015, der vom Beratungsunternehmen Mercer bereits zum siebten Mal in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies erstellt wurde. Die Studie untersucht und bewertet die Altersvorsorge verschiedener Länder hinsichtlich der Leistungen, Finanzierung und Rahmenbedingungen. Dabei wurden neben den staatlichen Rentensystemen und der beruflichen Vorsorge auch private Anlagen und Vorsorgemassnahmen berücksichtigt.

Gründe für das gute Abschneiden Dänemarks (81.7 von 100 möglichen Punkten) sind u. a. die solide Finanzierung und guten Leistungen auf Basis eines hohen Vermögens- und Beitragsniveaus. Ein weiterer Vorteil ist ein gut reguliertes privates Vorsorgesystem.


Schweizer Vorsorgesystem ist solide
Das Schweizer Vorsorgesystem hat sich mit einem Gesamtindexwert von 74.2 im Vergleich zum Vorjahr etwas verbessert und steht auf Rang vier. In den einzelnen Unterkategorien zeigt sich jedoch ein gemischtes Bild. Der Bereich „Leistungen“ hat sich positiv entwickelt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Schweiz beim Kriterium „Sparquote“ die Spitzenrolle übernommen hat. Bei der „Finanzierung“ mussten leichte Punktverluste in Kauf genommen werden, da bei steigender Lebenserwartung und gleichbleibendem Pensionierungsalter die Rentendauer zunahm. Bei den „Rahmenbedingungen“ blieb die Punktezahl nahezu gleich.

„Das Vorsorgesystem der Schweiz ist weiterhin solide. Die Steigerung der Lebenserwartung führt jedoch zu Handlungsbedarf“, so Catherine Schoendorff, Geschäftsführerin von Mercer in der Schweiz.

„Mit einer schrittweisen Erhöhung des ordentlichen Pensionierungsalters und einer höheren Arbeitsmarktbeteiligung älterer Arbeitnehmer könnte das Schweizer Vorsorgesystem noch robuster gestaltet werden. Auch sollten vorzeitige Pensionierungen nicht mehr im bisherigen Ausmass gefördert werden.“

Weitere Empfehlungen, die sich aus den Studienergebnissen ergeben:

  • Eine Regelung, die Pensionskassen auffordert, eine umfassende Risikomanagement-Strategie zu entwickeln
  • Eine weitere Limitierung des Kapitalbezugs vor der Pensionierung

Von Spitzenreitern lernen
„Es war noch nie wichtiger als heute, die Rentensysteme durch notwendige Reformen zu verbessern und damit auch die finanzielle Sicherheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu gewährleisten“, so David Knox, Autor der Studie und Senior Partner bei Mercer. „‘Der Melbourne Mercer Global Pension Index‘ermöglicht es Verantwortlichen in der Politik, von den angemessensten und nachhaltigsten Systemen der Welt zu lernen. Wir wissen, dass es kein perfektes und universell anwendbares System gibt, aber wir sehen viele Gemeinsamkeiten, die zu besseren Ergebnissen führen können.“

Der Index werde weiterhin von Forschern und politischen Entscheidungsträgern herangezogen, um die Vor- und Nachteile ihrer jeweiligen Rentensysteme zu bewerten, ergänzt Amy Auster, Executive Director des Australian Centre for Financial Studies.

„Im weltweiten Vergleich zeigt der Index die Stärken der verschiedenen Rentensysteme und deren Verbesserungsmöglichkeiten auf. Einige Länder haben bereits Empfehlungen aus unseren jährlichen Reports aufgegriffen und damit ihre Rentensysteme gestärkt.“

„Es ist erfreulich, dass der Index Politik und Wirtschaft dazu ermutigt, eine langfristige Perspektive einzunehmen und sie dabei unterstützt, ihre Rentensysteme zu verbessern“, so Auster. „Mit Blick auf die demografischen Herausforderungen und wechselhaften Marktbedingungen ist das nicht immer einfach. Dennoch arbeiten Verantwortliche weltweit weiterhin daran, ihre Rentensysteme zu stärken, damit diese auch zukünftige Generationen adäquat unterstützen können.“

Entwicklungen und Trends
„Wenn man die letzten sieben Jahre betrachtet, in denen unser Global Pension Index veröffentlicht wurde, zeigt sich, wie wichtig grundlegende Änderungen wie die Erhöhung des Rentenalters, die Verbesserung der Erwerbsquote von Älteren und die Finanzierung zusätzlicher Rentenbeiträge weltweit sind“, so David Knox.

In den elf Ländern, die seit 2009 Teil des Index sind, hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer von 16,6 auf 18,4 Jahre erhöht. In fünf dieser Länder – Australien, Deutschland, Japan, Singapur und UK – wurde als Reaktion das Rentenalter angehoben. Doch die Rentenbezugsdauer wird sich in den nächsten 20 Jahren in acht dieser elf Länder weiter erhöhen. Lediglich in Kanada und den Niederlanden (beide planen in den nächsten Jahren eine Anhebung des Rentenalters auf 67) sowie den USA (etwas kürzere Lebenserwartung) zeigt sich eine Verringerung.

Die durchschnittliche Erwerbsquote der 55- bis 64-jährigen ist in den 16 Ländern, die seit 2011 im Index betrachtet werden, von 57,9 auf 62,2 Prozent gestiegen, was etwas mehr als einem Prozent pro Jahr entspricht. Allerdings hat sich die Quote bspw. in den USA verringert, während sie sich in Brasilien, Indien und China um weniger als 4 Prozent verbessert hat.

„Einer der effektivsten Wege, die Nachhaltigkeit eines Rentensystems mit Blick auf eine steigende Lebenserwartung zu stärken, ist die Verlängerung der Erwerbstätigkeit“, kommentiert Knox. „Wenn man bedenkt, dass die Quote in den meisten Ländern noch immer unter 70 Prozent liegt, gibt es weltweit noch viel Potenzial, Rentensysteme nachhaltiger zu gestalten.“

Zur Bewertung der Nachhaltigkeit eines Rentensystems muss auch berücksichtigt werden, welche Mittel heute zurückgelegt werden, um zukünftige Leistungen zu gewähren und die nachfolgenden Generationen zu entlasten. Hier zeigen sich im Ländervergleich enorme Unterschiede – von 1,8 Prozent des BIP in Indonesien und 6 Prozent des BIP in Österreich bis hin zu 160,6 Prozent des BIP in den Niederlanden und 168,9 Prozent des BIP in Dänemark.

„Die deutlichen Unterschiede im Rentenvermögen sollten von den Ländern als Aufforderung verstanden werden, sich weiterhin bestmöglich vorzubereiten“, so Knox.

Ergebnisse nach Gesamtindexwert geordnet


Zur Methodik der Studie:

  • Der Melbourne Mercer Global Pension Index wurde erstmalig im Jahr 2009 mit einem Ranking für 11 Länder erstellt. Inzwischen umfasst der Index 25 Länder.
  • Jedes Land ist auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Der Gesamtindex ist der gewichtete Durchschnittswert der drei Sub-Indices Leistungen, Finanzierung und Rahmenbedingungen.
    • Der Sub-Index Angemessenheit untersucht die derzeit gewährten Versorgungsleistungen und einige wichtige Gestaltungsmerkmale, wie z. B. Versorgungsniveau, steuerliche Anreize, Gestaltung der Altersversorgungsmodelle, Sparquote. Er wird als wichtigster Index mit 40 % gewichtet.
    • Der Sub-Index Nachhaltigkeit untersucht anhand mehrerer Indikatoren, ob das gegenwärtige System in Zukunft aufrechterhalten werden kann. Bei diesem Sub-Index spielen Faktoren wie z. B. Rückdeckung, Finanzierung, Demografie, Staatsverschuldung und flexible Arbeitszeitmodelle für ältere Arbeitnehmer eine Rolle. Dieser Sub-Index wird mit 35 % gewichtet.
    • Der Sub-Index Integrität konzentriert sich auf den Bereich der Privatvorsorge und untersucht anhand verschiedener Indikatoren, wie „vertrauenswürdig“ und beständig das Vorsorgesystem ist. Hier spielen staatliche Aufsicht, Governance, Risikosteuerung und Kommunikation eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung. Die Gewichtung liegt bei 25 %.

Zur Bewertung der einzelnen Länder wurden über 40 Indikatoren für erstrebenswerte Merkmale in allen Altersversorgungssystemen berücksichtigt.

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